Für die Ausstellung
"Das Gedächtnis der Kunst. Geschichte und Erinnerung in
der Kunst der Gegenwart" (Historisches Museum in Zusammenarbeit
mit der Schirn Kunsthalle, 2000/01) entwickelte die Hamburger Künstlerin
Sigrid
Sigurdsson in Zusammenarbeit mit dem Kurator der Ausstellung,
Kurt Wettengl, das Projekt "Die Bibliothek der Alten".
Erinnern, Vergessen.
Die Bibliothek der "Alten" Im Historischen Museum
Frankfurt am Main. Sie wurde am 6.Dezember 2004 eröffnet.
Gesucht wurden 65 Autorinnen
und Autoren im Alter von 50 bis 100 Jahren sowie 35 Autorinnen und
Autoren bis zu 50 Jahren. Die Teilnehmer sollten mit der Geschichte
der Stadt Frankfurt am Main verbunden sein und sich bereit erklären,
einen biographischen, historischen oder wissenschaftlichen Rückblick
auf das vergangene Jahrhundert darzustellen. Die Art der Nutzung und
inhaltlichen Gestaltung bleibt den Teilnehmern überlassen. Es
wurden weder inhaltliche noch formale Auflagen oder Vorschriften gegeben.
Die Autoren können mit ihren Beiträgen,
entweder Kassetten oder Bücher, die bei ihrer Übergabe lediglich
leere Seiten enthalten, gestalten. Diese können z.B. mit historischen
oder biographischen Betrachtungen, mit Tagebüchern oder Briefwechseln,
mit Zeichnungen, Protokollen oder wissenschaftlichen Beiträgen
und Forschungsarbeiten gefüllt werden oder Fotos, Tonbänder
und Filme enthalten. Die Teilnehmer über 50 Jahre hatten drei
Jahre Zeit für die Erstellung ihrer Beiträge.

Interdisziplinär und generationenüberschreitend:
DIE BIBLIOTHEK DER ALTEN
Die Bücher und
Kassetten der jüngeren Generation können indessen bis zu
50 Jahre im Besitz der Autoren verbleiben, um dann in die Bibliothek
der Alten integriert zu werden. Die ersten Bücher und Kassetten
erhalten ab 4. Dezember in der Bibliothek der Alten ihren
dauerhaften Platz. Nach und nach wird der Bestand durch die Beiträge
der jetzigen und der künftigen Teilnehmer anwachsen.
Diese Bibliothek wird
eine Bestandsaufnahme, ein Seismograph der Frankfurter Stadtgeschichte
sein. Autoren - jenseits der fünfzig und auch die sogenannten
"Jungen" Autoren werden berichten.
Hier, in dieser Ausstellung hat es ein Regal
mit überdurchschnittlichen Außmaßen.Es wird Gedanken,
Erinnerungen von Frankfurter Bürgern beherbergen.In Boxen, Fächern,
Büchern. Handgeschriebenes oder mit der Kamera dokumentiertes
Erleben.Einzelschicksale und Behauptungen, Realitäten und Kollektives
Bewußt-Sein versammeln sich in dieser einzigartigen Sammlung.
Die Hamburger Künstlerin Sigrid Sigurdsson , der kommissarische Leiter des Museums, Kurt
Wettengl,
und seine beiden Mitarbeiter Wolf
von Wolzogen
und Friederike Schönhuth haben dieses Projekt initiiert und
in jahrelanger Arbeit vorbereitet.Ungeachtet deren Herkunft und gesellschaftlicher
Gesinnung lassen sie Frankfurter Bürger zu Wort kommen:
Ein ehemaliger Universitätsdirektor steht
neben einem Frankfurter Taxifahrer, eine Blumenfrau
neben einer jüdischen Schriftstellerin, die vor den Nazis nach
New York emigrierte.
Ein breites Spektrum an Erfahrungen und Erlebnissen
wird, von den Autoren zeitrelevant reflektiert. Jedes Jahr kommt ein
neuer Autor hinzu und mancher ist noch nicht einmal gezeugt worden!
für jeden zugänglich: Die Bibliothek der
Alten
Frankfurtlounge und Rüdiger Geissler
werden ab März 2005 mit dem Film "Thomas
Feldmann"

Thomas
Feldmann 1985
neben weiteren Filmen um Frankfurt und der
Biographie der Familie Zajaczkowski (siehe Foto) in der"
Bibliothek der Alten" vertreten sein. (Der Film ist seit Juli
2006 in der Präsenzbibliothek zu sehen) Öffentliche Erstaufführung:
Juni 2005 im Historischen Museum.

Fam. Bauer - Zajaczkowski
Sigrid Sigurdsson zum Prinzip der "Offenen Archive"
:
Wenn Erinnerung an vergangene Ereignisse sich
materialisiert, sich in Formen des Schreibens, Zeichnens, Fotografierens
und Ergebnissen des Forschens niederschlägt, so bedarf es des
Schutzes eines Ortes, wo sich dieses Ereignis anbinden kann. Oft geschieht
dies in Form von Archiven. Da jedoch Archiven der Charakter des Statischen
anhaftet und persönliche Erinnerungen und historische Ereignisse
dort zwar verwahrt bleiben, häufig jedoch verstauben und erstarren
und nur von wenigen Menschen gelesen und reflektiert werden, bieten
die Offenen Archive einen sich beständig erneuernden
Vorgang an, in dem wechselnde Bilder auf die Vergangenheit und die
Gegenwart verweisen.
Durch die Teilnahme vieler Autoren, die mit ihrem Wissen, ihren Erinnerungen
an vergangene geschichtliche Ereignisse zu den Offenen Archiven
beitragen, entwickelt sich ein virulenter Prozess, das Vergangene
im Jetzt, das sich schließlich zu einem milieu de mémoire
verdichten kann. Am Ende steht ein begehbares Bild, das um ein geschichtliches
Thema kreist, dessen Fäden von den Teilnehmern gesponnen werden.
Die Zeit kann hier zu einem Raum werden und bietet nach Fertigstellung
den Einwohnern einer Stadt oder eines Landes das Betrachten und Lesen,
das Weiterschreiben, Fotografieren, Forschen usw. an.

Ort der Erinnerung auch für
die jüngere Generation: "Die Bibliothek der Alten"
Autorinnen und Autoren der Bibliothek der Alten :
Arndtstr.
49 (Fichter, Laue); Larissa Babinskaja; Wolfgang Bauer; Werner Becher;
Julius Becke; Fides Becker; Marianne Beuchert; Gabriele Blam; Blindenbund
in Hessen e.V; Peter Bloch; Dr. Katja Blomberg; Lydia Böhmer;
Elsbeth Braunseis; Joachim Brenner; Prof. Dr. Martin Dannecker; Kristina
Danzer; Die Kinder vom Rütschlehen, Bernhard Pfender; Dr. Heinz
Düx sen.; Dr. Heinz Düx jun.; Prof. D. W. Dreysse; Maxilore
Edlich; Johanna Faltinat; Martina Faltinat; Thomas Ferber; Dr. Michael
Fleiter; Marlies Flesch-Thebesius; Bergit Forchhammer; Fördervein
Roma; Fred und Bert; Rüdiger
Geißler; Ruth Gilg-Ludwig; Margret Gottlieb, Friederike
Gramlich; Felicitas Gürsching; Monika Haas;
Gisela Haase; Melanie Hartlaub; Wolfram Helbich;
Henry und Emma Budge-Stiftung; Dr. Klaus Heuer; Irmgard Heydorn; Hadayatullah
Hübsch; Jugendbegegnungsstätte Anne Frank; Sylvia Kade;
Matthias Kegelmann; Ursula Kern; Phyllis Kiehl; Eric Koch; Prof. Dr.
med. Walter Köster; Gottfried Kößler; Prof.h.c. Alois
Kottmann; Dr. Helmut Kramer; Petra Kunik; Kunstverein Bad Vilbel e.V;
Ruth Langen-Wettengl; Michael Läpple; Thomas Lenden; Marie-Luise
Lenz; Lessing-Gymnasium; Manfred Capellmann; Emil Mangelsdorff; Joachim
Carlos Martini; Annemarie Maurer; Dr. iur. H. Meyer-Velde; Christine
Mumm von Schwarzenstein; Ernst Neubronner; Paulus Peternell; Bruno
Piberhofer; Dr. Stefanie Poley; Renate Reichard; Hans Reichard; Carolina
Rohman; Prof. Dr. phil. Walter Rüegg; Nelli Rühlig;
Dr.phil. Franz Prinz von Sayn-Wittgenstein;
J.D.S; Dr. Bernhard Schanz; Manfred Schaub; Kurt Schäfer; Lana
Schichsamanova; Birgit Schienemeyer; Prof. Dr. Viktoria Schmidt-Linsenhoff;
Michael Schmitt; Prof. Dr. Wolfgang Christian Schneider; Dr. Cornelia
Schneider; Ruth Schwarz; Adam Seide, Ann Reder; Monika Seifert, Anna
Seifert, Tatjana Jakobi; Irmgard Senger; Prof. Dr. Adelheid Sievert;
Sigrid Sigurdsson; Trude Simonsohn; Stiftung Blindenanstalt; Paul
Sorgenfrei, Stiftung und Versorgungshaus und Wiesenhüttenstift;
Dr. Günter Stolzenberger; Erika Sulzer-Kleinemeier; Silvia Tennenbaum;
Dr. theol. Dieter und Ursula Trautwein; Ralph Wagner; Heipe Weiss;
Susanne Wiegmann; Wolf von Wolzogen
In regelmässigen Abständen stellen die Autoren
im Rahmen der "Gespräche in der Ausstellung" ihre
Bücher und Kassetten persönlich vor.
Ab 2005 kommt bis zum Jahre 2055 jährlich
eine Autorin oder ein Autor hinzu. Sollte der letzte Autor unter fünfzig
sein, ist die "Bibliothek der Alten" erst im Jahre 2105
abgeschlossen.
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