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Pierre Joseph, Superman (Charakter to be reactivated) , 1992

DAS LEBENDIGE MUSEUM

MUSEUM FÜR MODERNE KUNST (MMK)
17. Mai - 29. Juni 2003

 

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DAS LEBENDIGE MUSEUM:

Massimo Bartolini, Tania Bruguera, Michael Elmgreen & Ingar Dragset, Jeppe Hein, Noritoshi Hirakawa, Pierre Joseph, Johan Lorbeer, Paul McCarthy, Tobias Rehberger, Gregor Schneider, Nedko Solakov, Sturtevant, Franz West, Erwin Wurm
Featuring: Gilbert & George, Red Hot Chili Peppers, Dave Stewart

"O berauschende Schönheit des lebendigen Körpers, der nicht künstlich aus Ölfarben noch aus Stein gemacht, sondern aus ewig sich wandelnder, ewig belebter Materie geschaffen und durchpulst ist vom fiebrig lodernden Geheimnis des Lebens und der Verwesung."
Thomas Mann, Der Zauberberg

Sturtevant, Gonzales Torres Untitled Go-Go Dancing Platform Lebendiges Museum

the dancer can also bee seen on Youtube (frankfurtlounge) MMK-Ricke-Collection


So lebendig hat man ein Museum zuvor noch nicht gesehen! Mitten auf einer Wand der zentralen Eingangshalle, horizontal in den Raum geneigt, entgegen den Gesetzmäßigkeiten der Erdanziehungskraft, steht in seiner gewöhnlichen orangefarbenen Uniform und mit einem Besen in der Hand ein Straßenreiniger.

Johan Lorbeer, Proletarisches Wandbild

Besucher kommen und gehen, treten in persönlichen Kontakt mit Johan Lorbeers Proletarischem Wandbild und werden im nächsten Moment vielleicht schon von einem Museumswärter begrüßt. In dessen sich demonstrativ langsam öffnender Hand liegt schimmernd eine kostbare Perle, deren Schönheit er einzelnen Besuchern zeigt, um sie gleich darauf wieder in seiner Hand zu verbergen. Double Shell, so der Titel der Arbeit von Massimo Bartolini, eint für einen kurzen intimen Moment zwei Fremde Besucher und Wärter im Anblick eines Geheimnisses.

Massimo Bartolini, Double Shell 2001

Unweit dieser Begegnung wird der Besucher Zeuge einer ganz besonderen Ausstellungseröffnung, die Dave Stewart für seinen legendären Musikvideo-Clip Heart of Stone eindrucksvoll inszeniert hat. Menschen aller Couleur kommen und begrüßen sich, Champagner wird gereicht, Gespräche werden begonnen und kurz darauf wieder beendet, farbenprächtige Kunstwerke überall im Raum flüchtig in Augenschein genommen; darunter auch eine sich zunächst als statisches Kunstwerk tarnende Musikband an den Wänden, die sich allerdings im nächsten Moment ganz unerwartet als lebendig zu erkennen gibt.

Kurz darauf eine weitere Begegnung der ganz besonderen Art: Inmitten des großen "Malersaals", umringt von Inkunabeln der jüngeren Kunstgeschichte von Roy Lichtenstein und Jasper Johns über Yves Klein und Robert Ryman zu Fabian Marcaccio , sitzt Superman, den Kopf auf den Arm gestützt und in tiefen Gedanken versunken. Wie nach dem Sinn des Lebens suchend, vielleicht auch nach dem Sinn der Kunst fragend, erweist sich hier in der Arbeit von Pierre Joseph Superman nicht mehr als Held, als den wir ihn kennen, sondern befreit von seinem mythisch verklärten Dasein allein noch in seiner menschlichen Dimension.

In einem anderen Raum, so dunkel, dass man sich vorerst nicht hinein wagt, flammt plötzlich gleißendes, das Auge blendendes Scheinwerferlicht auf und zunächst nicht eindeutig identifizierbare Geräusche werden hörbar. Stakkatoähnliche Schritte von Menschen sowie das permanente Durchladen und Klicken von Waffen lösen ein Gefühl körperlicher Bedrängnis und Bedrohung aus. Was eben noch so fern schien, rückt einem direkt auf den Leib. In Tania Brugueras Installation steht man inmitten eines "gewalttätigen" Szenarios, hin und her geworfen zwischen Helligkeit und Dunkelheit, zwischen realer und künstlerischer Wirklichkeit.

Weiter geht es zu Nedko Solakovs raumgreifender Installation Ein Leben (Schwarz und Weiß), in der zwei Personen permanent die vier Wände des Raumes streichen. Der eine malt die Wände weiß, der andere schwarz, und jeder überdeckt immer wieder die vorangegangene Farbschicht seines Kollegen. Eine an sich unsinnige Tätigkeit wird zu einer eindrücklichen malerischen Metapher des Lebenslaufes. Die Arbeit Ongoing von Michael Elmgreen & Ingar Dragset lenkt dagegen die Aufmerksamkeit des Besuchers auf eine andere sisyphosartige Tätigkeit: Dort sind es sechs Männer, die um einen großen runden Tisch mit sechs Spülbecken stehen und ohne Unterlass Teller reinigen, die sie gegen den Uhrzeigersinn weiterreichen.

 


Michael Elmgreen & Ingar Dragset , Ongoing 2002

Vielleicht begegnet man gleich darauf schon einer jungen Frau, die Tag für Tag im Ausstellungsraum sitzt, den biologischen Kreislauf von Werden und Vergehen thematisiert und "es" einfach zeigt (The home-coming of navel strings von Noritoshi Hirakawa). Und zum Schluss findet man schließlich Platz auf den Sitzbänken von Jeppe Hein, die unvermutet ein Eigenleben entwickeln und sich in Bewegung setzen.

Zusammen mit den Erwerbungen von Nedko Solakovs Ein Leben (Schwarz und Weiß) und der documenta-Arbeit von Tania Bruguera Untitled (Kassel) für die Sammlung des MMK präsentiert "Das lebendige Museum" insgesamt 15 Arbeiten, in die auf unterschiedliche Weise lebende Personen involviert sind. Hier wird die Frage gestellt, inwieweit sich die Rezeption von Kunst und die Vorstellung von "Museum" verändert, in dem Moment, da die Kunstwerke tatsächlich "lebendig" und die herkömmlichen Erwartungshaltungen gegenüber dem Kunstwerk hinterfragt und um neue Dimensionen erweitert werden. Alle Arbeiten verteilen sich über das gesamte Museum und entfalten ein offenes Feld aus nachhaltigen Verweisen und Bezügen zu der Sammlung des MMK.

Solakov, Schwarz und Weiß 1999

Die Arbeit an der Idee des Museums geht weiter. Was im Herbst letzten Jahres unter dem Titel "Das Museum, die Sammlung, der Direktor und seine Liebschaften" begann, erhält mit dem zweiten Ausstellungsprojekt "Das lebendige Museum" eine weitere Facette vor dem Hintergrund der aktuellen Auseinandersetzung mit der Vorstellung und dem Begriff von "Museum". Thematisierte die Neupräsentation des MMK im Herbst 2002 das Museum als Ort des Bewahrens und der Reflexion und als Gegenpol zu den flüchtigen Massenmedien und Events, beabsichtigt "Das lebendige Museum" den mit dieser Institution stets einhergehenden Ausdruck "museal" aufzugreifen. Dahinter steht die allgemeine Vorstellung, dass Exponate im Museum nicht mehr "lebendig", sondern genau das Gegenteil davon, nämlich "tot" sind. Das Wort "museal", so schon sinngemäß bei ValÈry, Proust oder auch Adorno, bezeichnet Gegenstände, zu denen der Betrachter nicht mehr lebendig sich verhältì, und sie mehr aus historischer Rücksicht als aus einem gegenwärtigen Bedürfnis aufbewahrt werden. Auch das Kunstwerk selbst kann subjektiv als "tot" empfunden werden, fällt diesem doch gerade im musealen Kontext eine passive Rolle in seiner Beziehung zum Betrachter zu. Das Kunstwerk wird eher als statischer denn als dynamischer "Gegenstand" bewertet - ruhend auf Podesten, starr verharrend an Wänden hängend oder unbeweglich im Raum platziert.

Das Lebendige Museum 2003

In dieser Ausstellung stellt sich das Kunstwerk nicht mehr als ein "vergangenes" dar, nicht mehr als eine zum "Bild" gefrorene Erfahrung und Erkenntnis, sondern als ganz gegenwärtig: es ist lebendig, instabil und situativ. Es kommt zur "Aufführung", jedoch ganz anders als in den darstellenden Künsten und an deren bevorzugtem Ort, dem Theater. Anders auch als bei der so genannten Performance-Kunst hebt sich nicht der Vorhang, um sich gleich wieder zu schließen. "

Das lebendige Museum" überführt mit der sechswöchigen Präsentation der Arbeiten deren augenblickshaften Charakter entsprechend ihrer künstlerischen Intention in einen lang anhaltenden Zustand der Dauer (6 Wochen, von morgens bis abends, 6 Tage die Woche!). Die "performativen Installationen" sind das inszenierende Aufführen theatraler, mitunter ritueller Handlungen. Sie sind materielle Verkörperungen eines "lebenden" Kunstwerkes. Und weil man es mit Menschen zu tun hat, verlangt diese Ausstellung nach veränderten Strukturen sowohl in logistischer wie organisatorischer Hinsicht. "Das lebendige Museum" begibt sich auf Neuland und unterstreicht damit die Funktion des Museums als Ort der Begegnung und der Anstiftung zur Diskussion, als Ort der Reflexion und Vision.

Leider hat die Museumsaufsicht den Gedanken des lebendigen Museums nicht verinnerlicht.Sie agieren schroff und ungehalten, wenn man hinter eine unsichtbare Linie tritt, die nur sie zu kennen scheinen.Vielleicht wäre es hier und gerade bei diesem hohen Anspruch erforderlich gewesen, ihnen zu verdeutlichen, daß es sich nicht um eine alltägliche Ausstellung handelt.

Während der Ausstellung "Das Lebendige Museum" werden zusätzlich spezielle Einführungen angeboten. Jeweils am Dienstag, Donnerstag und Freitag 11.30 und 13.00 Uhr
Mittwoch 14.00 und 15.30 Uhr
Samstags und Sonntags 12.30 und 14.00 Uhr haben Sie Gelegenheit einzelne Arbeiten zu diskutieren.

In der dritten Ausstellungswoche erscheint ein Katalog mit Abbildungen sämtlicher Kunstwerke und einem einleitenden Text von Udo Kittelmann. Broschiert, ca. 96 Seiten, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern.

 

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Shopping- Ausstellung

Henri Matisse - mit der Schere zeichnen


 
 
 
 
 

 

 
     
 

 

 
     
 

 

 
     
 

 

 
     
 

 

 
     
 

 

 
     
 

 

 
     
 

 

 
     
 

 

 
     
     
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