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“LIEBER MALER, MALE MIR ...”

RADIKALER REALISMUS NACH PICABIA
15. Januar - 6. April 2003


 

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DIE SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT ZEIGT AB 15. JANUAR 2003 EINE UMFANGREICHE AUSSTELLUNG ZUM THEMA AKTUELLE FIGURATIVE MALEREI

Lieber Maler, male mir ...” zeigt, wie sich realistische Malerei heute gibt: provokant, kritisch, ironisch und emotional. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird die Gültigkeit realistischer Darstellungsweisen von den Verfechtern der abstrakt-konzeptuell gefärbten Moderne als politisch und ästhetisch reaktionär abgelehnt. Bis heute jedoch gibt es kontinuierlich künstlerische Positionen, die diese Maxime widerlegen. Am Beginn der Ausstellung stehen die in den 40er Jahren nach Magazinvorlagen gemalten erotisch aufgeladenen Aktbilder von Francis Picabia. “Lieber Maler, male mir ...” präsentiert in dessen Nachfolge 17 internationale Künstler, die sich aus einer meist konzeptuellen, medial gefilterten Haltung an “Figuratives” wagen. Die lockere Genealogie der realistischen Malerei der Nachkriegszeit reicht über Bernard Buffet, Alex Katz, Sigmar Polke und Martin Kippenberger bis zur aktuellen New Yorker Szene mit John Currin, Elizabeth Peyton oder Kurt Kauper sowie Arbeiten von Luc Tuymans . Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen der Schirn Kunsthalle Frankfurt, dem Centre Pompidou Paris und der Kunsthalle Wien.

Kauper, Cary Grant

Kurt Kauper
Cary Grant #1, 2001
Öl auf Birkenholz / Oil on birch panel,
228,6 x 142,2 cm
Sammlung Dean Valentine and Amy Adelston, Los Angeles

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Die Ausstellung “Lieber Maler, male mir...” entlehnt ihren Titel Martin Kippenbergers polemischer Serie von 1981, für die der Künstler einen professionellen Plakatmaler damit beauftragte, ein Jahr lang von ihm ausgewählte Fotovorlagen in großformatige Bilder umzusetzen. Dieses hintergründige Spiel mit der Figur des Malers dokumentiert, wie mehrdeutig, trügerisch und gefügig Bilder heute in unserer massenmedial geprägten Welt sind. Kippenbergers skeptisch-radikale Haltung gegenüber dem Begriff der Authentizität in der realistischen Malerei stellt eine von den Künstlerinnen und Künstlern dieser Ausstellung geteilte Position dar.

kauper, Diva Fiction

Kurt Kauper
Diva Fiction #11, 1999
Öl auf Birkenholz, 215,9 x 121,9 cm
Courtesy The Dakis Joannou Collection, Athens

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Lieber Maler, male mir ...” untersucht anhand von 18 künstlerischen Positionen von 1940 bis zur Gegenwart den Stellenwert figurativer Malerei. Die Ausstellung setzt somit zeitlich am Höhepunkt der Hinterfragung realistischer Darstellungsweisen an - in den Jahren des aufkommenden Faschismus in Europa. Heftige Briefwechsel zwischen den ins Exil vertriebenen Angehörigen der Frankfurter Schule Mitte der 30er Jahre eröffneten eine Debatte, welche die Möglichkeiten eines kritischen Realismus gegen das Projekt der Moderne setzten. Zu diesem Zeitpunkt begann Francis Picabia, unleugbar ein Vertreter der Avantgarde, buntrealistische Bilder im Stil von Kitschgemälden zu malen, für deren Vorlagen ihm u. a. erotische Magazine wie “Mon Paris” und “Paris Sex Appeal” dienten. Picabias Hinwendung zu einer scheinbar antimodernistischen figurativen Porträtkunst im akademischen Stil geriet zum Affront.

John Currin

John Currin
The Moroccan, 2001
Öl auf Leinwand, 66 x 55,8 cm
Centre Pompidou, Musée national d'art moderne, Paris

Von diesen Bildern ausgehend präsentiert die Ausstellung eine lockere Folge von weiteren vier historischen Positionen, die jede für sich eine radikale Haltung der Nachkriegszeit markieren. Dabei zeigt sich, dass die Annäherung an figurative Malerei nicht zwingend die Gestalt eines Rückzugs auf traditionelle Formen realistischer Darstellung haben muss.
Nach Picabias “Akten” (1940-43) spannt sich der Bogen über eine Anzahl strenger Akte, Bildnisse und Selbstbildnisse von Bernard Buffet mit “akademischen” Sujets (1949-65), die sich gegen den Akademismus der Ecole de Paris wenden, vier Schlüsselbilder von Sigmar Polke (Anfang 60er Jahre) für den “kapitalistischen Realismus”, die den Entfremdungseffekt der Konsumkultur parodieren, und eine Auswahl großformatiger, durch den distanzierten Blick des soziologischen Kinos gefilterter Gruppenbildnisse von Alex Katz (70er Jahre) bis zu einer Präsentation der Bildnisse von Martin Kippenberger (80er Jahre), die dessen Weigerung ausdrücken, sich einer spezifischen künstlerischen oder politischen Richtung zuschlagen zu lassen.

Brown, Joseph Beuys (after Rembrandt), 2001

Glenn Brown
Joseph Beuys (after Rembrandt), 2001
Öl auf Holz, 96 x 79,5 cm
Sammlung Bobbi & Walter, Zifkin, Los Angeles



Diesen historischen Positionen folgen dreizehn weitere aus der Kunstszene des vergangenen Jahrzehnts. Aus ihnen lässt sich die Verarbeitung formaler und konzeptioneller Strategien der historischen Positionen herauslesen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich radikal von der traditionellen Porträtkunst verabschieden, indem sie das Bild des menschlichen Subjekts zum Ausgangspunkt ihrer Arbeit machen - wobei das Subjekt fast niemals nach dem natürlichen Vorbild gemalt wird. Stattdessen werden die Vorlagen oft Fotografien, dem Film, Fernsehbildern, der Presse oder dem Kanon der Kunstgeschichte entnommen, oder die Bilder werden nach fiktiven Gestalten der vorhandenen visuellen und gesellschaftlichen Kodes konstruiert.

Die hier versammelten Künstler sind weit davon entfernt, an den immer wieder angekündigten Tod der figurativen Malerei zu glauben. Sie finden in dieser vielmehr eine Quelle der Freiheit gegenüber den Dogmen der Geschichte. “Lieber Maler, male mir ...” möchte nachweisen, dass die figurative Malerei voller Vitalität ist sowie konzeptuelle Inhalte vermitteln und gleichzeitig eine Quelle visuellen Vergnügens darstellen kann.


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KÜNSTLERLISTE: Kai Althoff, Carole Benzaken, Glenn Brown, Bernhard Buffet, Brian Calvin, John Currin, Peter Doig, Sophie von Hellermann, Alex Katz, Kurt Kauper, Martin Kippenberger, Enoc Perez, Bruno Perrament, Elizabeth Peyton, Francis Picabia, Sigmar Polke, Luc Tuymans.

KATALOG: “Lieber Maler, male mir ...”. Hg.: Centre Georges Pompidou, Paris; Kunsthalle Wien, Wien; Schirn Kunsthalle Frankfurt, Frankfurt am Main. Mit Essays von Alison M. Gingeras, Sabine Folie, Blaženka Perica, Michael Glasmeier. Beiträge zu den Künstlern von Carole Boulbès, Alexander Roob, Rainer Speck, Massimiliano Gioni, Parisa Kind, Alison M. Gingeras, Sabine Folie, Gabriele Mackert, Jemima Montagu, Blaženka Perica und Martina Weinhart. Deutsche, englische und französische Ausgabe, 200 Seiten, ca. 100 Farbabb., ISBN 3-85247-037-4 (deutsch), ISBN 2-84426-138-8 (englisch), ISBN 2-84426-124-8 (französisch), 20 €.

ORT: SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg, D-60311 Frankfurt. DAUER: 15. Januar - 6. April 2003. !!! NEUE ÖFFNUNGSZEITEN: Di., Fr.-So. 10-19 Uhr, Mi. und Do. 10-22 Uhr !!! INFORMATION: www.SCHIRN.de, E-Mail: welcome@schirn.de, Telefon: (+49-69) 29 98 82-0, Fax: (+49-69) 29 98 82-240. EINTRITT: 6 €, ermäßigt 4 €; FÜHRUNGEN: Mi. 19.00 Uhr, Sa. und So. 17.00 Uhr. KURATOREN: Alison M. Gingeras, Sabine Folie, Blaženka Perica. HAUPTSPONSOR: Škoda Auto Deutschland GmbH. ZUSÄTZLICHE UNTERSTÜTZUNG DURCH: Verein der Freunde der Schirn Kunsthalle e. V.


 

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