DIE SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT ZEIGT AB 15. JANUAR 2003 EINE
UMFANGREICHE AUSSTELLUNG ZUM THEMA AKTUELLE FIGURATIVE MALEREI
Lieber
Maler, male mir ... zeigt, wie sich realistische Malerei
heute gibt: provokant, kritisch, ironisch und emotional. Seit Anfang
des 20. Jahrhunderts wird die Gültigkeit realistischer Darstellungsweisen
von den Verfechtern der abstrakt-konzeptuell gefärbten Moderne
als politisch und ästhetisch reaktionär abgelehnt. Bis heute
jedoch gibt es kontinuierlich künstlerische Positionen, die diese
Maxime widerlegen. Am Beginn der Ausstellung stehen die in den 40er
Jahren nach Magazinvorlagen gemalten erotisch aufgeladenen Aktbilder
von Francis Picabia. Lieber Maler, male mir ... präsentiert
in dessen Nachfolge 17 internationale Künstler, die sich aus
einer meist konzeptuellen, medial gefilterten Haltung an Figuratives
wagen. Die lockere Genealogie der realistischen Malerei der Nachkriegszeit
reicht über Bernard Buffet, Alex Katz, Sigmar Polke und Martin
Kippenberger bis zur aktuellen New Yorker Szene mit John Currin, Elizabeth
Peyton oder Kurt Kauper sowie Arbeiten von Luc Tuymans .
Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen der Schirn Kunsthalle
Frankfurt, dem Centre Pompidou Paris und der Kunsthalle Wien.

Kurt Kauper
Cary Grant #1, 2001
Öl auf Birkenholz / Oil on birch panel,
228,6 x 142,2 cm
Sammlung Dean Valentine and Amy Adelston, Los Angeles
(bitte klicken Sie auf das Bild,
um es zu vergrößern)
Die Ausstellung
Lieber Maler, male mir... entlehnt ihren Titel
Martin Kippenbergers polemischer Serie von 1981, für die der
Künstler einen professionellen Plakatmaler damit beauftragte,
ein Jahr lang von ihm ausgewählte Fotovorlagen in großformatige
Bilder umzusetzen. Dieses hintergründige Spiel mit der Figur
des Malers dokumentiert, wie mehrdeutig, trügerisch und gefügig
Bilder heute in unserer massenmedial geprägten Welt sind. Kippenbergers
skeptisch-radikale Haltung gegenüber dem Begriff der Authentizität
in der realistischen Malerei stellt eine von den Künstlerinnen
und Künstlern dieser Ausstellung geteilte Position dar.

Kurt Kauper
Diva Fiction #11, 1999
Öl auf Birkenholz, 215,9 x 121,9 cm
Courtesy The Dakis Joannou Collection, Athens
(bitte klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern)
Lieber
Maler, male mir ... untersucht anhand von 18 künstlerischen
Positionen von 1940 bis zur Gegenwart den Stellenwert figurativer
Malerei. Die Ausstellung setzt somit zeitlich am Höhepunkt der
Hinterfragung realistischer Darstellungsweisen an - in den Jahren
des aufkommenden Faschismus in Europa. Heftige Briefwechsel zwischen
den ins Exil vertriebenen Angehörigen der Frankfurter Schule
Mitte der 30er Jahre eröffneten eine Debatte, welche die Möglichkeiten
eines kritischen Realismus gegen das Projekt der Moderne setzten.
Zu diesem Zeitpunkt begann Francis Picabia, unleugbar ein Vertreter
der Avantgarde, buntrealistische Bilder im Stil von Kitschgemälden
zu malen, für deren Vorlagen ihm u. a. erotische Magazine wie
Mon Paris und Paris Sex Appeal dienten. Picabias
Hinwendung zu einer scheinbar antimodernistischen figurativen Porträtkunst
im akademischen Stil geriet zum Affront.

John Currin
The Moroccan, 2001
Öl auf Leinwand, 66 x 55,8 cm
Centre Pompidou, Musée national d'art moderne, Paris
Von diesen
Bildern ausgehend präsentiert die Ausstellung eine lockere Folge
von weiteren vier historischen Positionen, die jede für sich
eine radikale Haltung der Nachkriegszeit markieren. Dabei zeigt sich,
dass die Annäherung an figurative Malerei nicht zwingend die
Gestalt eines Rückzugs auf traditionelle Formen realistischer
Darstellung haben muss.
Nach Picabias Akten (1940-43) spannt sich der Bogen über
eine Anzahl strenger Akte, Bildnisse und Selbstbildnisse von Bernard
Buffet mit akademischen Sujets (1949-65), die sich gegen
den Akademismus der Ecole de Paris wenden, vier Schlüsselbilder
von Sigmar Polke (Anfang 60er Jahre) für den kapitalistischen
Realismus, die den Entfremdungseffekt der Konsumkultur parodieren,
und eine Auswahl großformatiger, durch den distanzierten Blick
des soziologischen Kinos gefilterter Gruppenbildnisse von Alex Katz
(70er Jahre) bis zu einer Präsentation der Bildnisse von Martin
Kippenberger (80er Jahre), die dessen Weigerung ausdrücken, sich
einer spezifischen künstlerischen oder politischen Richtung zuschlagen
zu lassen.
Thumb.jpg)
Glenn Brown
Joseph Beuys (after Rembrandt), 2001
Öl auf Holz, 96 x 79,5 cm
Sammlung Bobbi & Walter, Zifkin, Los Angeles
Diesen historischen Positionen folgen dreizehn
weitere aus der Kunstszene des vergangenen Jahrzehnts. Aus ihnen lässt
sich die Verarbeitung formaler und konzeptioneller Strategien der
historischen Positionen herauslesen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie
sich radikal von der traditionellen Porträtkunst verabschieden,
indem sie das Bild des menschlichen Subjekts zum Ausgangspunkt ihrer
Arbeit machen - wobei das Subjekt fast niemals nach dem natürlichen
Vorbild gemalt wird. Stattdessen werden die Vorlagen oft Fotografien,
dem Film, Fernsehbildern, der Presse oder dem Kanon der Kunstgeschichte
entnommen, oder die Bilder werden nach fiktiven Gestalten der vorhandenen
visuellen und gesellschaftlichen Kodes konstruiert.
Die hier
versammelten Künstler sind weit davon entfernt, an den immer
wieder angekündigten Tod der figurativen Malerei zu glauben.
Sie finden in dieser vielmehr eine Quelle der Freiheit gegenüber
den Dogmen der Geschichte. Lieber Maler, male mir ...
möchte nachweisen, dass die figurative Malerei voller Vitalität
ist sowie konzeptuelle Inhalte vermitteln und gleichzeitig eine Quelle
visuellen Vergnügens darstellen kann.

just click me
KÜNSTLERLISTE: Kai Althoff, Carole Benzaken, Glenn Brown,
Bernhard Buffet, Brian Calvin, John Currin, Peter Doig, Sophie von
Hellermann, Alex Katz, Kurt Kauper, Martin Kippenberger, Enoc Perez,
Bruno Perrament, Elizabeth Peyton, Francis Picabia, Sigmar Polke,
Luc Tuymans.
KATALOG: Lieber Maler, male mir .... Hg.: Centre Georges
Pompidou, Paris; Kunsthalle Wien, Wien; Schirn Kunsthalle Frankfurt,
Frankfurt am Main. Mit Essays von Alison M. Gingeras, Sabine Folie,
Blaenka Perica, Michael Glasmeier. Beiträge zu den Künstlern
von Carole Boulbès, Alexander Roob, Rainer Speck, Massimiliano
Gioni, Parisa Kind, Alison M. Gingeras, Sabine Folie, Gabriele Mackert,
Jemima Montagu, Blaenka Perica und Martina Weinhart. Deutsche,
englische und französische Ausgabe, 200 Seiten, ca. 100 Farbabb.,
ISBN 3-85247-037-4 (deutsch), ISBN 2-84426-138-8 (englisch), ISBN
2-84426-124-8 (französisch), 20 €.
ORT: SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg, D-60311 Frankfurt.
DAUER: 15. Januar - 6. April 2003. !!! NEUE ÖFFNUNGSZEITEN: Di.,
Fr.-So. 10-19 Uhr, Mi. und Do. 10-22 Uhr !!! INFORMATION: www.SCHIRN.de,
E-Mail: welcome@schirn.de, Telefon: (+49-69) 29 98 82-0, Fax: (+49-69)
29 98 82-240. EINTRITT: 6 €, ermäßigt 4 €; FÜHRUNGEN:
Mi. 19.00 Uhr, Sa. und So. 17.00 Uhr. KURATOREN: Alison M. Gingeras,
Sabine Folie, Blaenka Perica. HAUPTSPONSOR: koda Auto
Deutschland GmbH. ZUSÄTZLICHE UNTERSTÜTZUNG DURCH: Verein
der Freunde der Schirn Kunsthalle e. V.
back to: Highlights
to the : english version